12TH July 2013

Besser spät als nie: “Herr Olsson und die Einsamkeit”. Ein Projekt, an dem mich der fantastische Simon Schneckenburger glücklicherweise mitwirken ließ.

28TH January 2013

Es kam der Tag, an dem die Kinder den Eltern den Krieg erklärten.
Krieg?
Die Eltern dieser Welt reagierten mit der angemessenen Verwirrung; die Kinder jedoch insistierten auf den Krieg. Über Jahrtausende hinweg hatte man sie bevormundet und erniedrigt, und nun war es an der Zeit, dieser Tyrannei ein Ende zu setzen. Sie erhoben sich, um die Schrecken des kindlichen Schicksals - Mathematik, gesundheitsförderliche Zwischenmahlzeiten, erzwungene Zahnarztbesuche und dergleichen mehr - für alle Zeit zu bannen.

So besinnt euch doch, rief ein fassungsloser Kleinbauer in Chile aus,
all das ist vorübergehend!
Oh, bitte! Das Beispiel der Mathematik ist hier als rein metaphorisch zu betrachten!,
verkündete ein Mädchen in Neuguinea, denn schon längst hatten die Kinder das Wesen der Dinge durchschaut: Man bewegt sich nur von Raum zu Raum. Man schließt eine Tür, und hinter der nächsten Türe wartet eine immer neue Hölle.

Hatte man nicht alles getan? Hatte man sie nicht hingebungsvoll umsorgt, sie gefüttert und gewaschen, und sie doch stets auch hungrig und schmutzig erduldet? Es regierte Ratlosigkeit unter den Eltern. War man zu streng gewesen? Zu nachlässig? Hatte man sie zu oft geschlagen, oder gar zu selten? Nach langer Beratung wusste man sich auf das Fernsehen als Ursprung aller Unruhe zu einigen.
Zimmerarrest!, verlangte ein Milchmann in Vermont, und ach, welch Aufschrei tat sich da unter den Kindern! Wie tobten und wüteten sie, wie bellten und weinten sie, sie heulten wie junge Köter, und die Kontinente neigten sich unter ihren ungewaschenen Füßen.
Die Eltern, indes, erstarrten vor Furcht.
In der Tat, etwas hatte sich geändert. War diese Plage denn noch der vertraute Nachwuchs? Waren ihre Blicke nicht wilder, ihre Zähne nicht reißender, die Summe ihrer Stimmen kein einziges Gebrüll? So hatte man sich unweigerlich mit der Frage zu befassen, wie diese Bestien Krieg zu führen gedachten. Die Bedienung jeglicher Todemaschinerie erschloss sich ihren ungeformten Geistern noch nicht. Immerhin.
Auch Schusswaffen, Hämmer und Beile konnten ihre kleinen, plumpen Hände nicht führen, Messer jedoch sehr wohl; gewiss, man könnte noch das letzte Messer ausfindig machen und vernichten, doch wie wollte man denn nun eine Rinderlende filetieren? Und versteckte man doch alle Messer dieser Welt, die Biester würden Nägel finden. Sie würden Nägel aus den Balken ziehen, ja, und nähme  man ihnen die Nägel und die Balken, so würden sie Steine werfen. Es war undenkbar, alle Kinder der Welt dauerhaft von allen Steinen des Universums fernzuhalten.
Oh, zu welchen Grausamkeiten Kinderhirne doch befähigt waren!

Es musste also etwas geschehen. Nur was? Man konnte von einem Vater nicht verlangen, dass er sein eigenes Kind erschoss, was für ein Ungeheuer es auch immer sein mochte, und wildfremde Kinder zu erschießen erschien gleichermaßen inakzeptabel.
Wie ist zu entscheiden, wer welches Kind zu erschießen hat?,
gab ein älterer Gentleman in New Hampshire zu bedenken,
Völliges Chaos wäre die Folge!,
und, ach, die Eltern schätzten das Chaos nicht.
Jeder erschieße die Kinder seines Nachbarn!,
lautete der Lösungsansatz einer Zürcher Einzelhandelskauffrau, doch würde dies zu einer ganzen Reihe neuerlicher Komplikationen führen, diesbezüglich war man sich einig. Bombardements? Die Kollateralschäden, nicht auszudenken. Sollte man sie also einfach wegsperren? Nein, das entspräche ganz den Vorlieben dieser faulen Biester! Gärten blieben ungejätet und Taschengelder unverbraucht, Spielzeugfabrikanten und Süßwarenhersteller müssten Konkurs anmelden, oh, ganze Industriezweige würden ersterben. Die Eltern erfasste ein jenes Unbehagen, wie es finale Einsichten gern begleitet:
Krieg gegen die Kinder höbe die Welt aus den Fugen. Nein, ein Krieg gegen die Kinder dieser Welt war nicht zu gewinnen, und so taten die Eltern das einzig vernünftige.
Sie kapitulierten.

Die Kinder wussten ihren Triumph voll auszukosten. Sie eilten mit Scheren dahin, dachten nicht daran, sich die Schuhe zu binden und schlugen sich die Mägen bis zum Erbrechen mit Kuchenteig voll. Schließlich überkam sie ein herrlicher Schlaf, und sie träumten, wie ein finsterer Speicher von der Lichtflut träumen mag.
Und doch traten sie in die Falle aller Revolutionäre; kaum siegreich, so verrieten sie ihre Sache auch schon. Ihr Verrat war nicht mutwilliger Natur, schleichend ertastete er sie noch im Schlaf:
Sie alterten.

31TH August 2012
Young thunder, or: The first law of thermodynamics


Look at you, rocking
your kickass new coat for three days straight, right
before hitting the switch
Oh, how
that damn thing will haunt me.

I remember
refusing to buy you flowers
Why would I?
If you were really yearning for something
pretty,
yet lifeless
then you already had me, after all.

Let’s not try to flatten the curvature of the earth”,
you said,
whatever that was supposed to mean,
and then continued blathering on.
Something about
wolves at night,
Wolves? Wolves are nowhere to be found”,
I thought,
besides,
it’s a splendid sunday afternoon,
dumbass

How was I supposed to know
that you were the night, and I
was those goddamn
wolves? Wailing,
lacerating your deer, sticking
all my filthy teeth into
all your filthy carcasses.
I am sorry about that.

Honey, the music stopped playing, so
just
why
on
earth
won’t you quit dancing?
Turns out you aren’t dancing.
In fact,
you never were.
You’ve been tremoring the whole time.

Now here we are, witnessing this
howling carnival, feverishly parading
the streets, followed
by a flock of drones, sporting their
puny orange overalls while
cleaning up the
wastelands.
They leave me sick,
trembling, probably because of
how closely they resemble
us.
You,
walking after me, reconstructing
walls I had just torn down.

We’ve always been
fond
of the superfluous,
haven’t we?

Now here I am,
mistaking the stink of booze
for the scent of your lips,
asking myself just how we’ve managed to
undo
everything.

If I had to guess,
I’d say it’s partly
because I’ve
bought this nice little flat at
the point of absolute zero, and partly
because you couldn’t be bothered to,
just for once,
rub my hands.

(Hell,
I would’ve put up with a blanket, you know.)

Luckily,
I don’t have to guess.
Luckily,
romance is now sold at Costco and other fine bulk retailers.

Paint the walls black all you want,
dear.
Right now I’m out there, melting
glaciers, igniting
scrubland, setting
wildlife aflame.

Achingly bemoaned,
you are my dying of the bees.
wasps, however, sting just as well.

22TH July 2012
Solace, or: You’re in love with a madman

Hello, Lovely
come over, let’s take turns
in lamentation
Let’s find grandeur
in calming one another
or something.

Let’s proclaim
"You either burn
or freeze
to death”, let’s feel all delicate
yet bruised
like stray cats
fighting over a pile of bird bones
eager to slice up the triumphants
mouth.

Of course you look gorgeous today,
so what. Let’s declare war
on all things bright.

To love is to let go
whoever made this claim
deserves to be shot.
To love is to step into a bear trap
whilst hunting for bears.

Please trap me.

Even though the very concept of
not sending the ones I love
to
the
bottom
of
the
sea
eludes me,
as of now

I’d probably remain content with
being fed
scraps.
from. your. table.
 
You’d make even stones blush.

I’d compose you an
avalanche in d-minor
if I had the time, but I’m busy
picking apples
which are all wormy and stuff

when you asked for figs anyway.

15TH July 2012
Auszug: “Niemandsland”

Die Stunden der symbolischen Beisetzung des erstaunlichen Pius Goldberg waren von einem Wesen, wie es allen Erwartungen, mit denen man einem solchen Anlass nur begegnen konnte, mühelos gerecht wurde.
Schwer vom Gewicht seiner Fracht ruhte das in nicht weniger als 7 Nuancen von Grau gewirkte Wolkendach auf den Hutkrempen der Höchstgewachsenen unter den Trauernden, und, ja, wünschte man ein Glas klares Wasser zu schöpfen, so hätte man sich gewiss nur ein wenig recken müssen. In der Tat wurde die Vollkommenheit dieser Szenerie wohl einzig von der warmen, atmenden Anwesenheit jenes Mannes geschmälert, der sich einst Goldberg nannte und nun niemand war.
[…]

12TH May 2012

Die griechische Mythologie besagt, dass die Menschen ursprünglich Geschöpfe mit acht Gliedmaßen und zwei Gesichtern waren. Zeus jedoch, der ihre große Macht fürchtete, brach jeden Einzelnen entzwei und verurteilte sie damit zur ewigen Suche nach ihren verlorenen Hälften.

10TH May 2012
Hallo, hallo, hallo, adieu.


"Täuscher."
Dieser senkt den Blick, und recht beliebig kommt ihm in den Sinn, dass die physikalische Welt farblos ist. Licht gewisser Wellenlängen wird als Farbe wahrgenommen,
die eigentliche Farbwahrnehmung jedoch entsteht einzig im Gehirn.
"Schau, das Problem ist überhaupt alles”, spricht er, und: “Barfuß oder Lackschuh, man bedient sich toter Bäume, um totes Vieh vom Hintern zu wischen. Und bist du auch die reizendste Kohlenstoffdioxidfabrik von allen; verwechselst du den Duft meines Weichspülers mit meinem Eigengeruch, dann machst du einen Teil von mir ungeschehen.”
"Heuchler", nennt sie ihn,
doch, ach, dieses gegenseitige Anklagen ist kein Leichtes;
doch, hurra, wem war das je ein Hindernis?
Da sagt er sich, dass das Erfahren bedingungsloser Zuneigung ohnehin nur alle persönliche Entwicklung bremst. Man täte somit gut daran, sich unter die Schakale, Neider, Lumpen zu rühren. “Und wird dir das Rückgrat kalt, dann wächst du”, faselt er,
und übersieht, dass er sie alle inhalieren wird. Staub ist die abgelegte Haut all derer, die uns umgeben. In Kleinigkeiten betritt man einander und wird eins.
Entweder, oder.
Bleibe in Formaldehyd konserviertes Aas oder werde selbst das Ungeheuer.
"Chorale Gesänge tragen die Helden nach Valhalla. Deserteure landen im Restmüll",
hört er sie sagen, und
"Dein Herz ist ein Hase".
Bravo. Doch wissen letztlich beide um das Herz. Es ist kein wilder Garten.
Das Herz ist ein rhythmisch kontrahierendes Hohlorgan.
Also applaudiert man den Vorzügen eines leidenschaftslosen Daseins, und einigt sich:
"Die Liebe ist der Liebe Kritik."
Und man geht
und bleibt gegangen.

29TH March 2012

"Ballade für Niemand"

26TH February 2012
Mehr “Violet”.


"Da ist man schon jene glückliche Kaulquappe unter 4 Millionen, welche den Eizellenjackpot knackt, und unter’m Strich wäre man lieber im Hoden geblieben. Bevor es mich erwischt beschaffe ich all denen, die mir lieb sind, noch einen Kalender, und jedes verdammte Blatt wird eine Grafik zieren. Mein Name, dargestellt mittels Kieselsteinen, Guppis, Herbstlaub und ähnlichem Unsinn. Als Geist werde ich prüfen, wie viele von ihnen dieses unsägliche Ding aufhängen, und ich schwöre; alle, die es nicht tun, die werde ich heimsuchen."

21TH February 2012

"Auszug: Violet" vertont, als Nebenprodukt der Sonntagssession.

About
Short stories, slam poetry & so.